Der schwerste, aber auch der schönste Abschnitt
während meiner Bw-Zeit;
der

in der Luftlande- und Lufttransporschule der Bundeswehr

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Hier erlernen die Fallschirmpioniere und Fallschirmjäger der Bundeswehr das Fallschirmspringen.
Die Ausbildung dauert ca. drei bis vier Wochen, wovon 2 Wochen am Boden stattfinden
und eine Woche Fallschirm- Sprungdienst mit 5 Sprüngen absolviert wird.
Davon sind drei Tagsprünge, ein Tagsprung mit Gepäck und ein Nachtsprung.
Altenstadt liegt in Oberbayern, wo sich die Franz-Josef Strauß Kaserne befindet, in der die Fallschirmspringer ausgebildet werden, die sich freiwillig dazu melden.
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Gesprungen wurde zu meiner Zeit noch aus der Noratlas und aus dem Sikorsky H-34 G Hubschrauber.Dann aus der Transall C-160 und aus dem Haubschrauber Bell UH 1D.
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Noratlas
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Sikorsky
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Transall
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Bell

Die Noratlas konnte bis zu 40 Springer, die Sikorsky bis zu 14 Springer, die Bell bis zu 8 Springer und die Transall konnte bis zu 64 Springer befördern. Wobei die Absatzhöhe der T-C160D 400 Meter beträgt und die Absatzgeschwindigkeit bei ca. 240 km/h liegt. Die Bell UH 1D hatte eine Absatzhöhe von 450 Metern bei einer Geschwindigkeit von ca. 120 km/h. Heute wird Transall C-160NG (Nouvelle Generation) mit bis zu 80 Springer genutzt, sowie der Hubschrauber Sikorsky CH-53 mit 32 Springern.

Ankunft am Mittwoch den 21.06.1972 in Altenstadt mit dem Wagen von einem Kameraden aus Bochum der mit von der Partie war. Nach dem Melden beim Hörsaal-Uffz Stubenzuweisung. 1600h Hörsaaleinweisung durch den Hörsaalleiter und dessen Ausbildern. Nach der Einweisung war das Erkunden der Kantine und die Besichtigung der Stadt angesagt. Abends auf der Stube noch ein bis zwei Bier vorm schlafen legen.
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Ankunft
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Opel B Kadett Bj.71
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Basilika
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Ein oder auch zwei
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vorm schlafen gehen.
Donnerstagmorgen, 0530h wecken, 0600h Frühstück fassen, 0645h Antreten. Nach der Morgenansprache
20 Kniebeugen, 10 Liegestützen und dann im Laufschritt zu den Stadionen. "Der Letzte muss der Erste sein." (Auf diesem Lehrgang wurde alles im Laufschritt und mit Stahlhelm auf gemacht.) Erst einmal ohne Gurtzeug zweimal durch die Shuffelkiste."Machen Sie nur was der Vordermann macht" Wurde ein heilloses Durcheinander das Rausspringen. "Wie Sie sehen, können Sie nichts, und das bringen wir Ihnen nun ab heute bei" Und dann ging es los. Jeder Fehler hatte 10 Kniebeugen 10 Liegestützen zur Folge. Und wer da war weiß wieviel Fehler die Ausbilder finden konnten. Das Mittagessen wurde nur herunter geschlungen, was sich als Fehler erwies. Nach dem Mittag ging es wieder von vorne los, und die ersten kotzten ihr Essen wieder aus. Danach meldeten sich die ersten beiden Kameraden vom Lehrgang ab und es war nicht einmal Abend gewesen. Der Rest vom Hörsaal hatte beim Abendbrot schon Schwierigkeiten die Augen offen zu halten, und dementsprechend ruhig fiel auch der restliche Abend aus. Nämlich nur schlafen.
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die Shuffelkiste
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der Hänger
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der Pendel
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der Aufprall
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die Rolle
Freitagmorgen, 0530h wecken und Knochen sortieren, 0600h Frühstück fassen diesesmal deutlich weniger, 0645h Antreten. Die Morgenansprache, 20 Kniebeugen, 10 Liegestützen und im Laufschritt wieder zu den Stadionen. Und wieder ohne Gurtzeug zweimal durch die Shuffelkiste. Es war immer noch ein heilloses Durcheinander beim Rausspringen. "Haben Sie gestern nicht aufgepasst? Wohl den ganzen Tag geschlafen? Na dann wollen wir Sie mal wach machen." Und schon ging es von vorne los. Das Mittagessen fiel heute sparsam aus und wurde nicht herunter geschlungen. Am Mittag ging es wieder im gleichen Trott weiter. Der Abend verlief wie der vorherige, nämlich nur mit schlafen. Das Wochende wurde dazu genutz die Schürfstellen des Gurtzeugs so gut es ging zu versorgen. Naja, eine Kneipentour am Samstag war auch drin.

Die zweite Woche verlief ähnlich, nur dass wir das Wochenende besser nutzen konnten. Also weniger Wunden pflegen.
Montagmorgen, 0530h wecken, 0600h Frühstück fassen, 0645h Antreten und es fehlten drei Mann die sich abgemeldet haben. Die Morgenansprache, 20 Kniebeugen, 10 Liegestützen und im Laufschritt wieder zu den Stadionen. Doch dieses Mal war keine Hektik und kein Druck seitens der Ausbilder; es wurde nun verstärkt das Augenmerk auf die Detail und dem flüssigen Ablauf gelegt. Das Shuffeln in der Kiste, das Slippen am Hänger, der Landefall mit Rolle am Pendel. Dienstag war der gleiche Ablauf. Mittwoch, Donnerstag und Freitag ging es nach den Durchläufen an die Windmaschine, was Blessuren von Feinsten und bei zwei Kameraden auch Knochenbrüche verursachte. Wir alle waren Freitagmittag froh als es Feierabend war.
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das Aufstehen
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das Einholen
Montagmorgen, 0630h wecken, 0700h Frühstück fassen, 0745h Antreten und es fehlten heute vier Mann die sich abgemeldet hatten. Die Morgenansprache und danach keine 20 Kniebeugen, keine 10 Liegestützen aber im Laufschritt wieder zu den Stadionen. Alles, ausser der Windmaschine, wurde den Tag bis zum Feierabend noch einmal durch gegangen.
Dienstagmorgen, 0630h wecken, 0700h Frühstück fassen, 0745h Antreten, die Morgenansprache und danach im Laufschritt in die Halle. Und wenn wir bis dahin dachten wir hätten das Schlimmste hinter uns, wurden wir in den beiden Tagen eines Besseren belehrt. Mittwochabend meldeten sich gleich drei Kameraden ab.
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die Halle
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im Gurt
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die eine Bühne
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die andere Bühne
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am Gurt
Donnerstagmorgen 0630h wecken, 0700h Frühstück fassen, 0745h Antreten, die Morgenansprache und danach ging es im Laufschritt zum Turm; die vorletzte Hürde zu den Schwingen. An dem 13m hohen Turm angekommen ging es auch sofort dort hoch. Nach zehn Minuten kam ich dran meinen ersten Turmsprung zu tätigen. Auf den richtigen Sitz der Beingurte des Gurtzeugs sollte hier genau geachtet werden! Naja, der Erste war nicht der Knaller. Der Zweite konnte sich sehen lassen, sowie der dritte. Der vierte war fast schon gewohnheit. ;-) Und beim fünften stellte mir der Ausbilder einen Fuß und ich schoß raus wie eine Kugel und prompt hatte ich zwei rote Ohren von den Leinen; aber ich war durch. Leider haben hierbei drei Kameraden den Absprung nicht geschafft.
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Freitagmorgen 0630h wecken, 0700h Frühstück fassen, 0745h Antreten, die Morgenansprache und danach auf den LKWs aufsitzen und ab ging es zum Flugplatz,

                                                                          zum erste Sprung.
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Es war soweit, die letzte Hürde konnte jetzt genommen werden, die uns da noch von den Schwingen trennte. Bis jetzt war noch alles in Ordnung, man lachte, flaxte herum, machte sich über die Gesichter der Kameraden lustig um das eigene mulmige Gefühl im Magen zu überspielen. Und dann hieß es auch schon sich einreihen.
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Schirm anlegen,
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ein Foto von mir,
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eins von uns vier,
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ein Gruppenfoto
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und dann ging es los.
Hinter der Maschine wurden die Sprungreihen eingenommen. Es wurde mulmiger in der Magengegend. Dann die Maschiene besetzten, und das Gefühl wurde noch stärker. Dann Plätze einnehmen und noch einmal ein ganz strahlendes Lächen für die Kamera, wir waren ja die harten tollen Jungs vom Bund. ODER????
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Unsere Maschine,
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unsere Reihe,
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unser Einstieg,
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unsere Sitzreihen
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auch hinten.
Die Motoren wurden angelassen, und die Drehzahl von ihnen wurde erhöht. Dann rollten die Maschienen langsam auf die Startbahn und beschleunigten. Und auf einmal waren wir in der Luft, und das Gefühl wurde noch stärker. Aber wir sind ja noch "Cool" doch das wirkliche Gefühl kann man nicht beschreiben.
Irgendwie war es dann auf einmal soweit, Aufstehen, einreihen, einhaken und überprüfen. Das Herz rast nun. Die Tür geht auf die Absetzter prüfen den Wind, oder warum verziehen sie das Gesicht?
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Start,
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abheben,
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in der Luft,
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einharken,
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die Absetzer.
Der Wind zog durch die Transall und ließ uns noch blasser werden als wir schon waren. Die ersten Reihen schoben sich nach draußen, unsere Reihe wechselte die Seite, einhaken und überprüfen und dann ging es auch bei uns sehr schnell bis zur Tür, rein die Tür, der Magen verkrampft sich, der Abschlag, der Absprung und hup tausend..... waren wir schon draußen. Ein Ruck am Rücken und man war von der Maschiene "Frei".
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Hoch schauen ob der Schirm auf geht, an den Leinen zerren so dass sie auch auseinander gehen. Und dann ist aufeinmal "Ruhe", eine fast greifbare "Stille" umgibt einen jetzt. Man schaut sich um, und sieht seine Kameraden an den Schirmen hängen. Man schaut sich wieder um und genießt die Stille, Aber leider war der Moment der Ruhe viel zu schnell vorbei, denn "Bums" war der Boden da! ...?Wo der wohl herkam?
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Leider macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung und wir mussten die nächsten Sprünge in die nächste Woche verschieben. Was dem Großteil des Hörsaal irgendwie gar nicht recht war. Aber so war es. An diesem Wochenende macht ich mit einigen Kameraden die Ordernanz auf einer Abi-Feier eines Sohnes von einem Oberst. Am Ende dieser Feier hatte ich ein Gespräch mit zwei Offizieren, dass beinah einen 12ender aus mir gemacht hätte, wenn ich nicht zu einem späteren Zeitpunkt so Hitzköpfig gewesen wäre.(*)
Montagmorgen 0630h wecken, 0700h Frühstück fassen, 0745h Antreten, die Morgenansprache und danach auf den LKWs aufsitzen und ab ging es zum Flugplatz für die nächsten Sprünge. Der zweite Sprung war nur schauen und staunen bis wieder der Boden da war. Wieder so schnell.
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Der dritte Sprung war für mich der beste und schönste Sprung. Ich als erster in der Tür, ich sah den Boden unter mir vorbei ziehen und war so vertieft in dem was ich sah, so dass mich der Absetzer zweimal Abklopfen musste bevor ich es verstand und gesprungen bin. Jetzt bekam ich alles bewusst mit und da eine gute Thermik herrschte, konnte ich den Fall richtig geniessen und auch die Landung mit ordentlicher Rolle klappe bei mir hervorrangend. Also alles 1A
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Dienstagmorgen 0700h wecken, 0730h Frühstück fassen, 0900h Antreten, die Morgenansprache viel ein wenig länger aus, aber danach auf den LKWs aufsitzen und ab ging es zum Flugplatz für die nächsten Sprünge. Den vierten Sprung kann ich nicht recht beschreiben; es war zwar eine Spannung da aber keine nervösität mehr. Nur das Gepäck war ungewohnt und störend.
Der fünfte Sprung war der Nachtsprung, es war erst dunkel, dann sah man viele Lichterpunkte, und dann wieder Dunkelheit und wieder wusste man nicht wo der Boden so schnell herkam.
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Egal, wir hatten es geschafft!!!!!!!!!!!!!!

Mittwochmorgen 0700h wecken, 0730h Frühstück fassen, 0900h Antreten und dann die
                                              Überreichung der Schwingen!!

Es war ein schwerer Weg bis zum fünften Sprung, aber wir haben ihn geschafft; wir hatten unsere körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, sowie unsere physische und psychische Belastbarkeit unter Beweis gestellt. Dafür bekamen wir das begehrte Springerabzeichen, für all die Mühen, aber sie waren es allemale Wert gewesen. Von Stund an gehörten meine mitgefahrenen Kameraden von der LLPiKp260 und ich dazu,
                                     zu den "Springern" der Fallschirmpioniere.

(Wer es nicht mitgemacht hat, kann diese Worte und Gefühle nicht verstehen.)

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